Montag, 13. Januar 2014

Erschienen: Die Sprechblase Nr. 229

Hurra, nur zwei Monate nach der letzten Ausgabe ist schon wieder eine neue SPRECHBLASE erschienen! Wie hat Gerhard Förster das denn schon wieder angestellt? Ganz einfach: indem er viele der achtzig Seiten höchstpersönlich gefüllt hat, nicht nur als Redakteur, sondern vor allem als Comic-Journalist und -Szenarist.

Diesmal habe ich das Gefühl, da zieht sich ein Thema durch viele Beiträge, das für eine Nostalgie-Zeitschrift wie die SPRECHBLASE von zentraler Bedeutung ist: Wollen wir uns, wenn wir uns mit alten Comics befassen, vor allem an die Vergangenheit erinnern, oder kann daraus etwas Kreatives für die Zukunft entstehen?

Zum Beispiel hat die SPRECHBLASE sich mit dem Werk Hansrudi Wäschers schon immer nicht nur nostalgisch-verklärt befasst (das auch!), sondern es auch weiterbearbeitet und fortgesetzt. So gibt es hier nun wieder einen brandneuen SIGURD-Comic, nach Vorlage von Gerhard Förster gezeichnet von Martin Frei – nicht als Wäscher-Pastiche, sondern in modernerem, eher franko-belgisch anmutenden Stil. Im Editorial erklärt Gerhard beherzt, sie wollten damit „auch eine etwas jüngere Zielgruppe zu erreichen“. Ob die Kids von heute sich dadurch so ’nen alten Rittercomic reinziehen, ziehe ich jedoch in Zweifel. Der Charme der Wäscher-Comics besteht nun mal darin, eine Ahnung davon zu bekommen, was die Jugendlichen damals in den Fünfzigern begeistert hat.

Ganz toll finde ich jedoch das „Making of“ zum SIGURD-Comic und das Gespräch, das Gerhard Förster mit Andreas C. Knigge geführt hat, der vor kurzem ein Buch über Wäscher geschrieben und dafür innerhalb weniger Wochen sein gesamtes Werk durchgelesen hat. Da reden zwei Comic-Experten miteinander. Sie beginnen einfach damit, ein Piccolo-Titelbild Wäschers zu betrachten und geraten dann in ein tiefsinniges Gespräch darüber, wie ein Produzent von Massenware es verstand, seine Leser in den Bann zu ziehen.

Weiter hinten im Heft gibt es noch einen ausführlichen Bericht über Patrick McGoohans surreale Agenten-Fernsehserie THE PRISONER (dt. Nummer 6) aus den Sechzigern. Auch da geht es um das Verhältnis von nostalgischem Rückblick auf eine Kultserie der eigenen Jugend und deren moderne Neubearbeitung, hier als völlig neue Miniserie mit Jim Caviezel, die von vielen Fans des Originals von vornherein abgelehnt, hier jedoch hochgelobt wird. Seltsamerweise überhaupt nicht erwähnt wird dabei die PRISONER-Comicadaption, die DC Ende der achtziger Jahre herausgebracht hat. Ich fand es damals faszinierend, dass das Medium Comic die Fortsetzung einer alten Fernsehserie mit Original-„Darstellern“ ermöglichte.

Unter den weiteren Beiträgen gefällt mir besonders die glühende Hommage an die süße Sängerin France Gall – als Comic mit YouTube-Links! Und die Wiederbegegnung mit Kai Stellmann, dem früheren Herausgeber von COM-MIX und BLENDER und Betreiber der Bremer Comic-Buchhandlung Pegasos, in der ich in den Achtzigern und Neunzigern oft herumgestöbert habe. Kai ist, wie ich weiß, auch ein großer Fan von Sechziger-Serien wie MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE und THE PRISONER. Ihm gefällt die neue SPRECHBLASE gewiss ebenso wie mir.

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