Sonntag, 22. Dezember 2013

Lieblingscomics (2): Die Rückkehr des Dunklen Ritters

In der nahen Zukunft, irgendwann ab Ende der Achtziger. Gotham City ist ein Ort der Gewalt und des Verbrechens. Halbstarke Schläger der Mutanten-Bande verbreiten Terror auf den Straßen. Eine Hitzewelle macht der Stadt zu schaffen. Der ehemalige Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent wird nach zwölf Jahren als geheilt aus der Arkham-Irrenanstalt entlassen. Kurz darauf verschwindet er spurlos. Die sensationsgeilen Nachrichtensender begleiten die trostlose Gegenwart mit ihrem endlosen Geplapper. Batman, der Vigilant, der einst das Verbrechen in Gotham auf eigene Faust bekämpft hat, ist seit zehn Jahren nicht mehr gesehen worden. Der Millionär Bruce Wayne ist ein verbitterter alter Knacker, der immer wieder an den Tag denkt, an dem seine Eltern von einem Straßenräuber getötet wurden. Da kann er nicht mehr anders: Er erweckt Batman wieder zum Leben. Doch Batman ist kein strahlender Held, sondern ein gewalttätiger Psychopath, ein Spiegelbild der gewalttätigen und psychopathischen Welt, in der er lebt.

Mit seinem grimmigen Schlüsselwerk „The Dark Knight Returns“ leitete Frank Miller Ende der achtziger Jahre eine neue Ära der Superheldencomics ein. Sein BATMAN war kein Comicheft für Kinder mehr, sondern ein wuchtiges Buch mit zweihundert Seiten Umfang, komplex wie ein Roman, mit Zeichnungen, die wie Filmeinstellungen und Kamerafahrten wirkten. Die Handlung war eine Reflektion der Reagan-Ära. Miller entwarf eine düstere, apokalyptische Zukunft, in der die Welt aus den Fugen geraten war und Comichelden, die normalerweise immer jung und gut blieben, alterten, sich änderten und fragwürdige Handlungen begingen.

Wir Leser, die in der Jugend Superheldencomics als Unterhaltungslektüre konsumiert hatten, waren erwachsen geworden. Wir hatten ein Interesse daran, uns an die Comichelden unserer Jugend zu erinnern, waren jedoch auch anspruchsvoller und die Welt war komplizierter geworden. So entstanden Mitte der Achtziger „Graphic Novels“, die sich an ein erwachsenes Publikum richteten, vertrieben nicht mehr am Kiosk um die Ecke, sondern in Comic-Spezialbuchhandlungen. In Deutschland erschien „Die Rückkehr des Dunklen Ritters“ 1989 in der „Edition comicArt“ im Carlsen-Verlag, drei Jahre nach der amerikanischen Erstveröffentlichung, in deutscher Übersetzung von Uwe Anton mit einem Vorwort des Comic-Spezialisten und Lektors der Reihe Andreas C. Knigge.

1989 war das Jahr, in dem Reagans Präsidentschaft endete und die Berliner Mauer fiel. Es war auch das Jahr Batmans und der amerikanischen Comics. Den „Dunklen Ritter“ kaufte ich noch in der Carlsen-Ausgabe, 1. Auflage. Doch schon Millers folgendes BATMAN-Buch „Year One“, in dem er in einem – wie man heute sagen würde – „Reboot“ die Ursprungsgeschichte Batmans neu erzählte, erwarb ich nicht mehr in der deutschen Fassung, sondern in der Originalversion. Ich erinnere mich, dass ich das Buch im Virgin-Megastore in der Oxford Street in London kaufte. Das schwarzgelbe Batman-Logo war in dem Jahr an jeder Ecke zu sehen, und aus dem Radio wummerte der Batman-Song von Prince. Denn im selben Jahr startete auch Tim Burtons erster BATMAN-Film. Ich kaufte ein BATMAN-Shirt und lief damit in der Uni herum.

In den Neunzigern folgte ein Boom der amerikanischen Comics. In deutschen Comicläden konnten wir aktuelle Hefte bestellen und Serien abonnieren. Einmal im Monat holte ich da meinen Stapel mit der brandneuen Lieferung aus den USA ab. In den BATMAN-Comics gab es phantastische Entwicklungen, in denen Batmans Welt ein ums andere Mal auf den Kopf gestellt wurde: War in „A Death in the Family” schon der zweite „Robin“ Jason Todd vom Joker ermordet worden, brach in der „Knightfall”-Saga der neue Bösewicht Bane Batman das Rückgrat und machte ihn zum Krüppel. Carlsen, später Dino und dann Panini veröffentlichten diese Comics auch in deutscher Sprache (später erschien bei Panini auch Millers „Dark Knight“ in deutscher Neuübersetzung unter dem Titel „Der Dunkle Ritter kehrt zurück“). Dazu kam eine neue hochkarätige BATMAN-Zeichentrickserie im Fernsehen und im Kino alle drei Jahre ein neuer BATMAN-Film. Keine Frage: Die Neunziger waren die Zeit der „Rückkehr des Dunklen Ritters“.

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