Donnerstag, 7. November 2013

Erschienen: Die Sprechblase Nr. 228

Eine neue SPRECHBLASE ist immer eine Fundgrube an detaillierten und gut recherchierten Berichten für Comic-Fans und -Forscher. Im 38. Jahrgang erscheint die Zeitschrift nun und hat selbst solche Schicksalsschläge wie den Tod ihres Gründers und Verlegers Norbert Hethke im Jahr 2007 überstanden. Unter der Chefredaktion von Gerhard Förster übertrifft sich das Magazin ein ums andere Mal selbst, man denke allein an das grandiose Special zu den PERRY-Comics in SPRECHBLASE Nr. 223. Jüngst haben Gerhard Förster und DIE SPRECHBLASE auf dem Comicfestival in München den PENG!-Preis für beste Comic-Berichterstattung erhalten und werben damit stolz auf dem Titelblatt – zu Recht! Die Menschen, die diese Zeitschrift machen, lieben Comics. Und sie kennen sich richtig gut damit aus.

Diese Ausgabe gefällt mir besonders. Sie hat achtzig prall gefüllte Seiten, und wenn man damit durch ist, ist man traurig, dass es nicht noch mehr sind. DIE SPRECHBLASE Nr. 228 wird von drei großen Themen beherrscht, die (bei mir als Leser) alle genau ins Schwarze treffen: Da ist der zweite (von drei) Teilen einer gigantischen Abhandlung über den unglaublichen Stan Lee, diesmal geht’s um die Schlüsselphase seines Lebenswerks: die Erschaffung der Marvel-Comichelden. Herrlich zu lesen, und macht Lust darauf, die alten Marvel-Hefte aus den Siebzigern wieder hervorzuholen! Dann ist da ein ausführlicher Hintergrundbericht über den türkischen Comicheld TARKAN, einen Hunnenkrieger, der 1967 zuerst als Zeitungsstrip in „Hürriyet“ erschien, sogar verfilmt wurde und in der Türkei eine unglaubliche Popularität erreichte. Die Serie erschien in Heftform auch in Deutschland, wurde aber wegen Gewaltdarstellungen von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften dauerindiziert. Die Spezialisten von der SPRECHBLASE liefern viele liebevoll recherchierte Hintergründe und einen ausführlichen Episodenführer: großartig! Dieser Teil der SPRECHBLASE zeigt, wie das Magazin immer wieder neue Themen erfasst und mit Informationen aufwartet, die man nirgends sonst lesen kann!

Und dann ist das nostalgische Schwelgen in Jugenderinnerungen natürlich immer wieder ein Grund, DIE SPRECHBLASE zu kaufen. In diesem Fall macht es „klick“ bei mir, wenn ich die ausführliche Titelstory über den Künstler William Vance lese (auch darin und in der präzise recherchierten Comicografie finde ich übrigens noch viele Infos, die mir bisher völlig unbekannt waren). Ich mochte besonders Vances in ZACK erschienene Serien um Geheimagent BRUNO BRAZIL und Raum-Zeit-Abenteurer BOB MORANE. BRUNO BRAZIL war eine Art Mischung aus „Kobra, übernehmen Sie“ und James Bond. Besonders gut erinnere ich mich daran, als in ZACK die finale Story unter dem Titel „Entscheidung in Madagaskar“ erschien, ein knallharter Spionage-Thriller mit einem trostlosen Ende für das „Kommando Kaiman“. Gerade bringt ja Ehapa die Serie in Adaption der französischen „Intégrale“-Ausgaben als prächtige Gesamtausgabe in deutscher Sprache heraus. Auch da wartet DIE SPRECHBLASE noch mit einem Extra auf: Sie dokumentiert auf einer ganzen Seite die von Vance illustrierte und in der Gesamtausgabe nicht enthaltene Erzählung „Fragen Sie nach Papa Konfuzius“, die 1974 in TINTIN SÉLÉCTION erschien. BOB MORANE ist in Frankreich ebenfalls als „Intégrale“-Ausgabe erschienen, die deutsche Veröffentlichung bei Epsilon wurde vor einigen Jahren jedoch nach Band 4 abgebrochen. Das scheint das Schicksal dieser Serie in Deutschland zu sein: Immer wieder wurden Versuche eingestellt, sie hier komplett zu publizieren. Schade, ich habe diese Mischung aus Science Fiction und Abenteuer sehr gemocht. Ich habe mich sogar im Holland-Urlaub immer mit BOB-MORANE-Alben eingedeckt, von denen dort wesentlich mehr erschienen sind als hierzulande. DIE SPRECHBLASE macht vor allem Lust auf das in Deutschland nie erschienene Album „L’empreinte du crapaud“ (Die Spur der Kröte).

DIE SPRECHBLASE enthält auch eine Rubrik „Trauerarbeit“ mit sehr persönlich gehaltenen Nachrufen. Leider sind seit der letzten Ausgabe wieder viele Zeichner, Autoren, Letterer und prominente Comicfans verstorben. Leider muss der Liste auch ein weiterer Name hinzugefügt werden: Anfang Oktober, nach Drucklegung des aktuellen Heftes, starb der Verleger Hans Stojetz, Geschäftsmann und Comicfan, der DIE SPRECHBLASE ab 2008 am Leben erhalten und gemeinsam mit Gerhard Förster weitergeführt hat. Sein Sohn Gerald führt den Verlag und die Herausgabe der SPRECHBLASE fort.

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