Mittwoch, 16. Oktober 2013

Leider kein Kult: Steed and Mrs Peel

Ach, was habe ich diese Serie geliebt: Wenn die Geheimagenten John Steed und Emma Peel kamen, saß ich vor dem Fernsehschirm. THE AVENGERS (Originaltitel) sahen dem Tod mit einem Lächeln ins Gesicht und hatten dabei immer einen Blick für die schönen Seiten des Lebens: Steed war ein Gentleman alter Schule, der sich beim Spionieren nebenbei schon mal eine Nelke ins Knopfloch steckte; Mrs Peel eine moderne Frau, schlagkräftig, intelligent und in ihrem Kampf-Catsuit ein makelloser Anblick. „Karate-Emma“ nannten wir sie damals. Was, wie ich fürchte, eine blöde Erfindung der Fernsehzeitschrift Hörzu war. Steed und Mrs Peel waren Agenten mit Stil. Sie lösten ihre Fälle mit kinky boots, Schirm, Charme und Melone. Keine Frage: Diese Racheengel waren Kult!

Eine Comic-Adaption gab es schon in den Sechzigern. Sie ist sogar in Deutschland erschienen, als Heft und als Fortsetzungsgeschichte in der Bravo, war jedoch eher dröge. Dann kam Anfang der Neunziger eine knackige Mini-Serie mit im Funny-Stil gehaltenen Zeichnungen von Ian Gibson und Texten von Grant Morrison und Anne Caulfield. Die gefiel mir schon besser. Sie erschien unter dem Reihentitel STEED AND MRS PEEL, wohl zur Vermeidung der Verwechslungsgefahr mit dem amerikanischen Superhelden-Comic THE AVENGERS (dt. Die ruhmreichen Rächer).

Anfang letzten Jahres brachte dann der amerikanische Comicverlag Boom! zuerst die inzwischen immerhin zwanzig Jahre alten Ian-Gibson-Comics neu heraus und startete im Anschluss eine brandneue fortlaufende Serie, ebenfalls unter dem Reihentitel STEED AND MRS PEEL. Na, das klang ja gut! Als großer Fan und angefacht durch eine enthusiastische Besprechung der Nullnummer abonnierte ich die neue Serie. Doch immer schleppender wurde der monatliche Gang zum Comicladen, denn STEED AND MRS PEEL war eine herbe Enttäuschung.

Was ist da falsch gelaufen? Zunächst der Text: Da schreiben amerikanische Autoren, die versuchen möglichst britisch zu sein. Das kann ja nicht klappen. Sie wissen, dass die Fälle der AVENGERS immer total abgedreht sind, also liefern sie eine Reise in die Zukunft, ein postapokalyptisches London, eine Selbstmordwelle. Naja. Immerhin tauchen die Cybernauts aus der Fernsehserie wieder auf und der Hellfire Club aus der berüchtigten Episode „A Touch of Brimstone“ (Emma im knappen Sadomaso-Kostüm, in Deutschland erst Ende der Neunziger im Nachtprogramm von Sat.1 gesendet). Aber das reicht nicht. Was die AVENGERS ausmachte waren eben nicht nur Briticisms und irgendwie absonderliche Plots, sondern diese absurden Details an jeder Ecke: Surreale Kulissen, Nebenfiguren mit skurrilen Hobbies, über allem der Hauch des Exzentrischen. All das fehlt hier. Auch wenn sie es versuchen.

Dann die Zeichnungen: Waren Steve Bryant und Will Sliney in Nullnummer und Heften Nr. 1-3 immerhin noch akzeptabel, übernahm ab Heft Nr. 4 die unbegabte Yasmin Liang, deren Zeichenstil einfach keinerlei Charme hat. Ihre Figuren wirken flach und langweilig, für Hintergründe scheint sie sich überhaupt nicht zu interessieren. Es war auch nicht besonders hilfreich, dass ab ihrem Einstieg der blasse Co-Autor Caleb Monroe allein das Ruder übernahm (zuvor im Team mit Mark Waid). Monroe und Liang kommen weder jemals an den Charme des Originals heran, noch haben sie etwas aufregend Neues geschaffen. Die Leser haben das wohl erkannt und das Heft nicht mehr gekauft. Gottseidank hat Boom! die Serie mit Heft Nr. 11 jetzt eingestellt.

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