Donnerstag, 31. Oktober 2013

Kobra: Das waren Comics für Jungs!

Als ich zehn oder elf war, hab’ ich KOBRA gelesen. Das war eine Comic-Zeitschrift für Jungs: Zwar für ein jugendliches Publikum gemacht, aber mit Geschichten der etwas härteren Sorte. Wenn ich KOBRA heute wieder lese, finde ich vieles darin albern. Aber ich kann verstehen, was mich damals daran gereizt hat: Die KOBRA-Comichelden lebten in einer Phantasie-Männerwelt voller Monster und unglaublicher Erfindungen, in der eine Sensation die nächste jagte und sie von einem Abenteuer ins nächste stürzten.

Dabei waren die KOBRA-Helden nicht einmal besonders sympathisch. Es waren meist irgendwelche Typen, denen seltsame Gegenstände eine besondere Kraft verliehen: So wie DAS MAGISCHE AUGE, ein Edelstein, der seinen Träger unverletzbar macht. Ein blonder Junge hängt ihn sich um den Hals und geht auf eine Irrfahrt mit der Zeitmaschine eines kauzigen Erfinders, die die Form einer gotischen Standuhr hat. DIE EISERNE HAND dagegen ist der Tarnname eines Wissenschaftlers, der nach einem Unfall eine künstliche Metallhand erhält. Wenn er damit in Starkstrom fasst, wird er für kurze Zeit unsichtbar, dann ist nur noch seine eiserne Hand zu sehen. Erst nutzt er seine Fähigkeit für Verbrechen, dann tritt er in den Geheimdienst Shadow Squad ein. Später trägt er sogar kurzzeitig ein Superhelden-Kostüm und kämpft gegen außerirdische Eroberer.

Die KOBRA-Comics kamen aus England. Eingeleitet wurde das Heft immer mit dem jeweils nur zweieinhalb Seiten umfassenden Fortsetzungs-Strip MYTEK DAS MONSTER. Da ging es um einen mechanischen Riesenaffen, mit dem ein Wissenschaftler den teuflischen Zwerg Gorga bekämpft, der die Weltherrschaft erringen will. Es folgten fünf bis sieben Fortsetzungs-Episoden weiterer Serien im Umfang von jeweils zwei bis acht Seiten. Am häufigsten dürfte DAS REICH TRIGAN vertreten gewesen sein, eine Art Römisches Reich im Weltall, gezeichnet im Gemäldestil von Don Lawrence. Der Kulturwissenschaftler und Soziologe Horst Schröder hat diese aus den Sechzigern stammende Serie später als rechtsradikal geschmäht. Anfang 1978 erschien auch Lawrences brandneue Serie STORM in KOBRA: Ein Raumfahrer kommt von einer Jupiter-Mission zur Erde zurück und findet diese vollkommen verändert: Die Ozeane sind verschwunden, der Planet ist in archaische Zeiten zurückgefallen. Das war schon ziemlich klasse.

Und dann gab es da noch viele obskure Comics, die heute keiner mehr kennt: HEISSE RÄDER war ein Rennfahrer-Comic, in dem es etwas härter zur Sache ging als beim braven MICHEL VAILLANT auf der anderen Seite des Channels. In BILLY UND DIE FUSSBALLSCHUHE konnte ein Junge mit den Zauberschuhen eines ehemaligen Stürmerstars jedes Spiel gewinnen. Spätestens DR. KARNAKS RACHE, in dem ein unheimlicher Doktor eine fünftausend Jahre alte Mumie erweckt, zeigte, dass ein Comic auch ganz ohne positiven Helden auskommen kann. Ähnlich war es bei einer anderen Serie, die im Original THE SPIDER hieß und wie vieles in KOBRA eher an italienische Fumetti erinnerte: Ihr Held war ein Bösewicht, der erst in späteren Abenteuern auf die gute Seite wechselte. Für KOBRA gab man der Serie frech den Titel SPIDERMAN, da DIE SPINNE bereits als deutscher Titel für Stan Lees SPIDER-MAN verwendet worden war.

KOBRA startete im Februar 1975 in Deutschland und kam dann jede Woche an den Kiosk. Die erste Ausgabe Nr. 7 (gezählt wurden die Kalenderwochen) enthielt ein „Zappelgerippe“ als Gimmick und Episoden der Serien MYTEK DAS MONSTER, SPIDERMAN, SABOR DER DSCHUNGELKÖNIG, DAS REICH TRIGAN, DIE EISERNE HAND, DAS MAGISCHE AUGE und ARCHIE DER MANN AUS STAHL. Der Verlag (Gevacur) saß in der Schweiz, die Redaktion jedoch beim Kauka-Verlag in München. KOBRA war eine Adaption des britischen Magazins VULCAN, das etwa zeitgleich erschien. Jedoch kamen von VULCAN nur 28 Ausgaben heraus, das Magazin wurde bereits 1976 wieder eingestellt. KOBRA, von dem zeitweilig auch eine Taschenbuchreihe erschien, kam auf 167 Ausgaben und wurde erst mit Heft Nr. 16/ 1978 Hals über Kopf eingestellt. Alle laufenden Serien wurden abgebrochen, in den jeweiligen Schlusspanels überhastet der Rest der Geschichten in Textform erzählt. Im letzten Heft druckte Kauka noch eine Gruselgeschichte aus FIX UND FOXI ab, um die nun heimatlosen KOBRA-Leser davon zu überzeugen, darauf umzusteigen.

Ich habe das Ende von KOBRA damals sehr bedauert, denn ich fand das Heft richtig stark. Heute an Halloween passt es gut, sich daran zu erinnern.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

O yeah, KOBRA war ein klasse Comicmagazin. Schade, würde gerne wieder mal einen Blick in diese Hefte werfen, aber sie sind entweder zu teuer oder gar nicht erhältlich ...

Ron de Woo hat gesagt…

Ich habe meine Kobra Sammlung aus meiner Jugend noch. Mir fehlen nur 2 Ausgaben. Zzt. lese ich vorm Schlafen täglich ein Heft und lege dann in dafür kürzlich extra angeschaffte Hüllen... Bin froh das ich dieses Comic nicht auch auf dem Flohmarkt verschebelt habe wie viele andere die ich damals gesammelt habe.

Anonym hat gesagt…

Das ich es noch ins letzte Heft geschafft hatte mit einer Suchanzeige fand ich damals noch super. Dass das Heft 1978 eingestellt wurde war ein total harter Schlag für mich, mit Marvel Williams ging es ja auch zu Ende, danach war meine Kindheit irgendwie vorbei. Kleiner Trost damals: Wenigstens lief die Science-Fiction Filme-Serie in der ARD noch. Schade das die Kobra Hefte jetzt so teuer geworden sind, aber zusammen mit den sechs Sammelbändern habe ich auch noch alle Hefte. Müsste sie mal wieder lesen.

Anonym hat gesagt…

Hallo,
ich habe die Hefte komplett in Büchern gebunden zuhause rumstehen. Was wären die Sammlung (gebunden) den noch wert?

Olaf Brill hat gesagt…

Einen Hinweis auf Sammlerpreise kann der Comicguide geben: http://www.comicguide.de/index.php/component/comicguide/?controller=details&file=series&id=2288&display=short (oder der örtliche Comichändler).

Wie immer ist bei solchen Angaben natürlich die Frage, ob man auch einen findet, der bereit ist, den Preis zu zahlen. Ich empfehle, mal ein paar Auktionen auf eBay zu beobachten.

Robert Klingenberg hat gesagt…

Habe Kobra auch als Kind verschlungen und freute mich auf jeden Dienstag, um eine neue Ausgabe zu kaufen. Die Geschichten waren fantastisch, so ganz anders und auch härter als bei anderen Comics. Damals fragten viele Leser, ob die Geschichten nicht auch verfilmt werden könnten. Mit der heutigen Technik wäre das sicher kein Problem...
In das Setting vom Reich Trigan kann man sicherlich eine Menge hinein interpretieren, wenn man es heute aus Erwachsenen-Sicht betrachtet. Ob man es gleich als rechtsradikal bezeichnen muss, halte ich für stark übertrieben. Typischer Soziologen-Hype!
Die abrupte und überstürzte Einstellung von Kobra kann ich bis heute nicht nachvollziehen und empfand ich damals als Frechheit gegenüber den treuen Fans (vor allem ohne nachvollziehbare Erklärung und Vorwarnung)! Der Verlag wollte die Leser dann zu Fix und Foxi-Fans machen und warb damit, dass sich die Kobra-Fans dort alle wieder treffen würden. Was für eine irrige Annahme, dass einem diese „Kinder-Comics“ gefallen könnten, wenn man Fan von Kobra war!! Ich bin dann auf „Zack“ umgestiegen, blieb aber nicht lange dabei. Kobra wird für mich immer unvergessen und einzigartig bleiben. Habe meine komplette Sammlung noch und schaue ab und zu rein. Schön, dass sich hier auch andere „alte“ Fans finden.

zbinden beat hat gesagt…

Auch ich habe Dienstags immer das Kobra gekauft.Mein Liebling war damals DIE EISERNE HAND.Kobra Hefte habe ich alle.Suche aber schon lange DIE 6.SAMMELBÄNDE.Kann mir da jemand helfen.

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